5. Kammerkonzert, © Hyoungjin Kim

5. Kammerkonzert

Jüdische, armenische und böhmische Volksmusik begleiten uns im 5. Kammerkonzert durch sämtliche Emotionen menschlichen Seins. In ihr erleben wir die Erinnerung und Verarbeitung von Leid und Schicksalsschlägen, sowie einen unermüdlichen Lebensmut und Freude. Sergei Prokofjews OUVERTÜRE ÜBER HEBRÄISCHE THEMEN in c-Moll für Klarinette, Streichquartett und Klavier op. 34 entstand durch eine besondere Fügung des Schicksals. Als Prokofjew sich im Exil in den USA befand, traf er dort auf das jüdische Ensemble ZIMRO, mit dessen Mitgliedern er am St. Petersburger Konservatorium zusammen studiert hatte. Sie waren vor Übergriffen gegen jüdische Menschen, die seit der Machtübernahme der Bolschweiki in Russland auf der Tagesordnung standen, geflohen und begaben sich in den USA auf Konzertreise, um Geld für die Gründung eines Konservatoriums in Jerusalem zu sammeln. Für sie komponierte Prokofjew seine OUVERTÜRE ÜBER HEBRÄISCHE THEMEN auf der Grundlage eines Heftes mit jüdischen Melodien, das er von ZIMRO bekam. Das Stück war ein sofortiger Erfolg und sein typischer Klezmer-Klang in der Klarinette bewahrt bis heute das musikalische Andenken an die jüdischen Opfer von 1919. Ein viel zu selten gespieltes Werk der Kammermusik ist Alexander Arutjunjans Suite für Klarinette, Violine und Klavier. Das musikalische Material stammt aus der traditionellen Musik Armeniens. Es beginnt mit emotionalen Soli der Violine und Klarinette, die den Anschein erwecken, die gesamte Schwermut der Geschichte Armeniens in sich zu tragen und spannt dann doch einen Bogen zu einem schnellen letzten Satz, der in seiner rasanten Dringlichkeit armenische Lebensfreude ausstrahlt. Antonín Dvořák Klavierquintett in A-Dur op. 81 verwendet ebenfalls Melodien traditioneller Musik. Die böhmische Volksmusik aus Dvořáks Heimat klingt schon im ersten Satz. Der zweite Satz ist mit „Dumka“ betitelt, einem Begriff aus der slavischen Musik, der direkt übersetzt „Gedanke“ bedeutet. Der dritte Satz bringt uns einen wirbelnden böhmischen Tanz, der sich in einer Fuge im vierten und letzten Satz beruhigt. Rémi Alarçon, Hwaeun Hani Choi (Violine), Jihye Lee (Viola), Ognjen Milosavljevic (Violoncello), Julien Laffaire (Klarinette), Natacha Gaudet (Klavier)

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